Jan 19, 2006

Media Addicts auf Entzug

Künstlerische und gesellschaftliche Ideen, die nicht an den Grenzen unserer medialen Wirklichkeit Halt machen, sind ein Thema der transmediale.06. Das Verhältnis von Medien und Wirklichkeit soll nicht aus technologischer Perspektive betrachtet werden, die eine konstruierte Wahrnehmung der Wirklichkeit festlegt, sondern anhand von künstlerischen Arbeiten, die diese Konstruktionen unterlaufen, übertreiben oder ad absurdum führen. Diese Arbeiten sind in der transmediale lounge und in der Ausstellung SMILE MACHINES zu sehen, während die Konferenz der transmediale einen Reality Check für die Gegenwart anbietet.

Sind wir in den futuristischen Szenarien und den "Science Fictions" der 1980er Jahre angekommen? Das zweiteilige Panel "Media Addicts" untersucht die Phänomene und Technologien, die zunehmend unser Dasein bestimmen, und fragt nach der Darstellung, der Wahrnehmung und der Veränderung von Realität durch Medien. Im ersten Teil von "Media Addicts" (Samstag, 4.2. 14.00 Uhr) sprechen Simon Penny, Jordan Crandall und Lu Jie - moderiert von Matthew Fuller - über die gesellschaftspolitische Bedeutung von Medientechnologien. Im zweiten Teil (Sonntag, 5.2. 14 Uhr) geht es um die Veränderung unserer subjektiven Wahrnehmung durch mobile Medien. Janet Cardiff, Marie-Luise Angerer und Michael Bull diskutieren, wie sich dies auf den sozialen Zusammenhalt und auf das öffentliche Leben auswirkt.

Viele Leute umgeben sich heute mit einer umfangreichen Palette von digitalen Gadgets: Mobiltelefon und MP3-Spieler, GPS- und Navigationssystem gehören zum Alltag moderner Zeitgenossen. Schwankend zwischen Konsumterror und umfassender Selbst-Überwachung bewegen sich "Media Addicts" in einer technologisch geprägten Welt, in der die Grenze zwischen Individuum und medialen Prothesen verschwimmt. Die Lounge der transmediale.06 untersucht diese urbanen und medialen Realitäten, zeigt Survival-Techniken und den Kampf des Einzelnen gegen die (widrige) Wirklichkeit. Hier wird auch eine Übersicht des Videoprogramms der transmediale.06 zum Thema "Reality Addicts" gezeigt. (s.a. Thema: Reality & Me)

Die Ausstellung SMILE MACHINES zeigt eine Reihe von Arbeiten, die sich der durch die Medien diktierten Realität widersetzen, indem sie ihr Fragmente entnehmen, sie neu zusammensetzen und endlos wiederholen (Muntadas' "Slogans", Birnbaums "Wonder Women"). Kim Beom montiert aus der Überfülle an (Fernseh-)Informationen einen Paratext, und Christian Möller entlarvt das falsche Lächeln der TV-Entertainer. Pomeroys Texte, Performances und Videos entmystifizieren die Technologie, ihre Ursprünge und ihre ökonomischen Grundlagen, während Paik ("I make technology ridiculous") sie mit seinem "TV-Rodin" gezielt entweiht. (s.a. SMILE MACHINES von Anne-Marie Duguet)