"Ein beendetes Werk ist genau das; es muss wiedererweckt werden."
(John Cage, 1949)

Die Konferenz der transmediale.07 beschäftigt sich unter dem Titel unfinish! mit dem Phänomen der Endlichkeit in Kunst, Wissenschaft, Architektur, Informatik und Politik. Die digitale Kultur der Gegenwart scheint weder willens noch in der Lage, endgültige Festlegungen und abgeschlossene Prozesse zu akzeptieren. Stattdessen gehören Prozessualität und unendlich aufeinander folgende Updates und Versionen zum Credo einer aktuellen kulturellen Praxis. Die Konferenz der transmediale.07 begibt sich in den Zwiespalt zwischen dem Wunsch, verfestigte Strukturen und Situationen stets wieder öffnen zu können und dem Fluch der digitalen Arbeit, die keinen Abschluss, sondern nur stets vorläufige Versionen kennt. In dieser Diskussion spielen Aspekte wie Öffnung, Abschließung und Neubeginn immer wieder eine zentrale Rolle. Sie werden von den Sprecherinnen und Sprechern der Konferenz im Rahmen von sechs Podien und drei Einzelvorträgen anhand anschaulicher Beispiele auf künstlerische und gesellschaftspolitsche Fragestellungen angewandt.

In Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung.

Mittwoch 31.1.
16:00

Panel 1: Viele Jahre Videokunst - Historische Rückblicke auf Kunst und Medien @ Studio

 
Teilnehmer: Chris Hill [us], Barbara Borcic [si], Wulf Herzogenrath [de]
Im Frühling 2006 wurde in fünf deutschen Museen das Projekt '40 Jahre Videokunst in Deutschland' präsentiert. Eine umfangreiche DVD-Edition von über 50 Einzelarbeiten in Verbindung mit einem Katalogband (Hatje Cantz Verlag) versucht, das künstlerische Schaffen mit Video in Deutschland seit Mitte der 1960er Jahre zu beschreiben. Die transmediale.07 zeigt im Rahmen ihres Jubiläumsprogramms diese DVD-Edition und bemüht sich um eine Evaluation in einem breiteren und internationalen Kontext. Hierzu werden vergleichbare Projekte aus anderen Ländern eingeladen. Die Podiumsdiskussion mit den Machern von '40 Jahre Videokunst' und internationalen KollegInnen strebt eine kritischen Einschätzung solcher Dokumentations- und Übersichtsprojekte an. Abstracts zur Konferenz

In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut, das die internationale Distribution von '40 Jahre Videokunst in Deutschland' betreut.
Donnerstag 1.2.
15:00

Panel 2: Unfinishing Creation @ Studio

 
Moderator: Stefan Iglhaut [de]
Teilnehmer: Warren Neidich [us /de], Ingeborg Reichle [de]
Das Panel 'Unfinishing Creation' beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Mensch, Wissenschaft und Zukunft. Anhand der künstlerischen Auseinandersetzung mit aktuellen wissenschaftlichen Themen, vor allem aus dem Bereich der Lebenswissenschaften, behandelt das Podium Fragen der Offenheit, der konstanten Transformation sowie der ständigen Erneuerung und Entstehung in unserer heutigen Gesellschaft. Es wird untersucht, ob Konzepte der Reversibilität, der Zeit, der Fehler und des Fortschritts einen Widerspruch zwischen den Auffassungen der Künstler und Wissenschaftler darstellen. Stellen die Naturwissenschaften den Künstlern und Wissenschaftlern heute neue Werkzeuge zur Verfügung, um ihre eigenen Disziplinen zu erweitern und unsere Gesellschaft neu zu erforschen und zu verstehen? Ist das Konzept des 'offenen Lebenssystems' ein tragfähiges neues Paradigma? Und welche Auswirkung haben die sich verändernden Medien und Technologien auf unsere kognitiven Strukturen und auf das Entstehen neuer künstlerischer Praxen? Abstracts zur Konferenz
 
20:30

Keynote 1: Fractal Flesh @ Studio

Moderator: Florian Rötzer [de]
Teilnehmer: Stelarc [au]
In seiner Präsentation/Demonstration 'Fractal Flesh: Prototyped, Printed and Phantom Bodies' experimentiert der australische Künstler Stelarc mit alternierenden anatomischen Gestaltungen und ihren Auswirkungen auf unsere Erkenntnis, Subjektivität und Identität. Stelarcs Arbeit untersucht und erweitert das Konzept des Körpers und dessen Verhältnis zur Technologie indem er Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine sowie zwischen Wirklichkeit und Virtualität schafft. Seine Projekte sind Versuche, den wissenschaftlichen 'State of the Art' am menschlichen Körper zu erproben. In seiner Präsentation/Demonstration wird der Körper, in Verbindung mit technologischen Geräten, zu einem erweiterten operativen System. Im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs ließ Stelarc ein Ohr an seinem  Unterarm anbringen. Die weiche Prothese wird drahtlos mit dem Internet verbunden und kann von entfernten Personen als Hörapparat genutzt werden. Stelarc betrachtet die Ohrprothese nicht als  Zeichen einer physikalischer Fehlfunktion, sondern als Symbol eines zusätzlichen Features – nicht  als ein Zeichen für einen Nachteil, sondern als ein Merkmal von Überschuss. So versucht er, die Formen und Funktionen des menschlichen Körpers zu erweitern, indem er seinen Wertverlust darstellt und ein Mensch-Maschine-Hybrid erschafft, welches die Auffassung der Gestaltung, Technik und Funktion des menschlichen Körpers in Frage stellt.
Freitag 2.2.
12:00

Panel 3: Die Medienlandschaft im Irak @ Studio

 
Moderator: Klaas Glenewinkel [de]
Teilnehmer: Saad Saloum [iq], Ismael Zayer [iq], Ali Badr [iq], Susanne Fischer [de], Anja Wollenberg [de]
Die zukünftige Entwicklung im Irak ist maßgeblich davon abhängig, ob ein Verhandlungsprozess zwischen den Konflikt-Gruppen in Gang gebracht wird oder ob gegenseitige Abgrenzung und Isolation sich verhärten. Die Rolle der Medien darf in diesem Prozess nicht unterschätzt werden: In den Medien wird kommuniziert, kommentiert und reflektiert, durch die Medien werden konkret Meinungen gemacht und Stimmungen mobilisiert. Die Medienlandschaft im Irak ist seit dem Fall des Regimes unkontrolliert in alle Richtungen gewachsen und gewuchert, und die Berichterstattung in den irakischen Medien ist so vielschichtig und komplex wie die Konfliktlage selbst. Das Gespräch mit irakischen Journalisten und Künstlern geht der Frage nach, welche Rolle Medien in der Entwicklung der Konflikte spielen und wie die Gratwanderung zwischen Meinungsfreiheit und Überlebenswille gestaltet wird. MICT (Media in Cooperation & Transition) führt mit einem Impulsreferat in die Thematik ein.

In Zusammenarbeit mit MICT und der Friedrich-Ebert-Stiftung.
 
15:00

Panel 4: Unfinished Cities @ Studio

Moderator: Regina Bittner [de]
Teilnehmer: Orhan Esen [tr], AbdouMaliq Simone [za/uk]
Die Phänomene der vielschichtigen Stadtentwicklung und Urbanisierung gehören zu den zentralen Themen der aktuellen globalgesellschaftlichen Kultur. Während man es in den Ländern der "traditionellen" Industrialisierung mit "schrumpfenden Städten" zu tun hat, sind die wachsenden Megalopolen vor allem in Lateinamerika, Asien und Afrika von immensen Prozessen des Wucherns geprägt. Das Panel 'Unfinished Cities' stellt Positionen vor, die sich diesem Wuchern und der Unsicherheit, die es mit sich bringt, nicht als Störung, sondern als Potenzial widmen. Das Bild der permanent nicht zu Ende gebrachten, unsicheren und komplexen Stadt schafft neuartige räumliche Konstellationen, die die urbane Praxis der Aneignung und das Schaffen neuer Formen von Öffentlichkeit forcieren und dabei den Zustand des Abgeschlossenseins unmöglich machen. Abstracts zur Konferenz
 
18:00

Keynote 2: Born Again Ideology @ Studio

Moderator: Florian Rötzer [de]
Teilnehmer: Arthur Kroker [ca]
Paradoxerweise ist das 21. Jahrhundert trotz all seiner technologischen Prätentionen mit allen Zeichen einer Wiedergeborenen Ideologie kodiert, von der 'kosmologischen Verständigung' der Vergangenheit bis hin zu den 'verworrenen Fäden' von Religion und Technologie in der kontrollierenden Rhetorik des amerikanischen Imperiums. Während Nietzsche lediglich posthum über zukünftige Zeiten nachdenken konnte, die zwischen passivem und suizidalem Nihilismus schwanken, erlebt die heutigen Zeit, diese spezifische historische Epoche, einen sich zusammenbrauenden Sturm und ermöglicht dessen Diagnose: Die Neue Weltordnung rast mit Lichtgeschwindigkeit in Richtung der Schatten einer ominösen Dunkelheit.
Samstag 3.2.
15:00

Panel 5: Media Art Undone

 
Moderator: Miguel Leal [pt]
Teilnehmer: Diedrich Diederichsen [de], Inke Arns [de], Olia Lialina [ru / de], Timothy Druckrey [us]
Die Teilnehmer dieses Panels diskutieren Fragen rund um das Feld und den Terminus der 'Medienkunst'. Ist es an der Zeit, die Marke 'Medienkunst' los zu lassen und eine Re-Integration der medienbasierten Kunstpraxis in den weiteren Kunstdiskurs anzustreben? Sind die Definitionen der Medienkunst und kultureller Medienpraxis, die ihre – positiven und negativen – Abgrenzungen begründet haben, noch immer gültig? Abstracts zur Konferenz
 
18:00

Keynote 3: Die Endlichkeit der Algorithmen @ Studio

Moderator: Wolfgang Coy [de]
Teilnehmer: Friedrich Kittler [de]
Kittler ist Inhaber des Lehrstuhls für Ästhetik und Geschichte der Medien der Humboldt Universität Berlin. In seinem Votrag stellt er seine aktuellen Forschungen zu Maschinen-, Medien- und Musiktheorie vor und fragt nach der Bedeutung von Reversibilität und Endlosschleife – eine Schleife, die nach jeder Abarbeitung erneut prozessiert wird, sofern äußere Einflüsse dies nicht unterbinden. Welche Macht verbirgt sich in dem Wissen, das in Computern und ihren Algorithmen steckt?
Sonntag 4.2.
14:00

Panel 6: Öffnen und Schließen, Beginnen und Enden @ Studio

 
Teilnehmer: Byung-Chul Han [kr], Thomas Macho [de]
Das Panel mit Byung-Chul Han und Thomas Macho befasst sich aus philosophischer Sicht mit Figuren des Schließens und des Öffnens. Anhand einer Gegenüberstellung von abendländischer Innerlichkeit und fernöstlicher Offenheit gehen die Sprecher verschiedenen Denktraditionen in West und Ost nach. Abstracts zur Konferenz