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Donnerstag 1.2. 15:30

VP 3: Unfound Footage @ Studio II

Miss Popularitiy

Wayne Yung [ca/de]
Ist es möglich, gleichzeitig zwei Freunde zu haben? Aber natürlich – mit ein wenig Organisationstalent! Ein schwuler Mann bedient sich Archivmaterials, um zu
beschreiben, wie er seine zahlreichen Liebesbeziehungen hin und her jongliert.

Miss Popularity, ca/de, 2006, 6:20

Dramatically Repeating Lawrence of Arabia

'Dramatically Repeating Lawrence of Arabia', ist eine Neubearbeitung des 217minütigen orientalischen Klassikers David Leans 'Lawrence von Arabien', in eine 15minütige Sinnestäuschung durch Wiederholung maskuliner Posen, Kostüme und dramatischer Gesten. Eine algorithmische Struktur verdichtet und interpretiert das Original Bild für Bild in einen Zyklus von Abweichungen, Konvergenzen und vorübergehenden Spiegelungen. Die erzählerische Logik und Bildstabilität abgelegt und mit einem Remix von Maurice Jarres 'Overture von Lawrence of Arabia' kombiniert, wird die Hollywood Darstellung heroisch kolonialistischer Geschichte in Melancholie transformiert.

Dramatically Repeating Lawrence of Arabia, us, 2004, 14:43

b-alles

Ein griechischer Fernsehwerbespott der 80er Jahre eines Raquet Ball Spiels, das auf dem örtlichen Markt floppte, wurde von Neuem im Bereich Bild und Klang manipuliert. Neben der lustigen rhythmischen Überarbeitung eines eher banalen Found Footage, zielt diese Arbeit darauf, einen kommerziellen und vereinfachten Blick zu repräsentieren, wie amerikanische Produkte und Trends sich in unser kollektives Unterbewusstsein durch Werbung einpflanzen.

b-alles, gr, 2005, 2:00

La Petite Illusion

In 'la petite illusion' wird eine kleine Geschichte der Leidenschaften in Szene gesetzt: schweres Atmen, umspielt von einer jazzigen Basslinie, ein Kuss, der nächtliche Sturz einer Dame ins Wasser. Der Titel der Arbeit verweist ironisch auf Jean Renoirs 'La grande illusion' von 1937, aber die Assoziation führt ins Leere: Weder in den Bildern noch im Ton wird Renoirs pazifistische Fabel direkt zitiert oder auch nur motivisch berührt. Die Patina des frühen Tonfilms, die in 'la petite illusion' zelebriert wird, bleibt die einzige vage Verbindung zur 'Grande Illusion' – der Klang und der look, die ästhetischen Stereotypen des frankophonen Kinos der Zwischenkriegszeit. Michaela Schwentners farblich asketische elektronische Manipulation gefundener Bilder und Töne ist eine sorgsam in Schwebe gehaltene Studie historischer Kinoaffektbilder. (Stefan Grissemann)

La Petite Illusion, at, 2006, 03:45

Heinrich und Mary-Jane

Ein Mann und eine Frau sitzen auf einem Sofa. Sie waren mal zusammen. Ob sie es immer noch sind, ist nicht ganz klar. Weder dem Zuschauer, noch ihnen selbst: „Manchmal hass ich dich, für all das, was du mir angetan hast“, sagt sie. „Ich liebe dich, weißt du“, sagt er. „Das ist der Punkt.“

Stefan Zlamals 'Heinrich und Mary-Jane' ist der Ausnahmefall einer Found- Footage-Arbeit. Statt, wie üblich, vorhandenes Bildmaterial in der Montage neu zu arrangieren, arbeitet Zlamal mit zwei „gefundenen“ Tonspuren, die er im gemeinsamen Bildraum aufeinander prallen lässt: Die junge Frau (Astrid Rausch) flüstert, seufzt und schreit mit Liv Ullmanns deutscher Synchronstimme aus Bergmanns „Szenen einer Ehe“. Ihr Besucher (Wolfgang Dangl) erwidert ihr mit Passagen einer Lesung des Berliner Schriftstellers Sven Regener.

Die Form des Dargestellten weiß mehr als sein Inhalt und so erweist sich 'Heinrich und Mary-Jane' zugleich als Film über Wahrnehmung im Kino: Nicht nur für das streitende Paar, auch für uns als Zuschauer wird die „Syn-Chronizität“, also wörtlich, das „Gemeinsam-in-der-Zeit-Sein“ als die große Illusion spürbar, die sie ist.

(Quelle: Maya McKechneay)

Heinrich und Mary-Jane, at, 2005, 12:00

Dubus

AV [ru], Alexei Dmitriev [ru]
Material bekannter Filme wie ‘Sun Valley Serenade‘, ‘Casablanca‘, ‘Some Like It Hot‘, ‘In the Waterfront‘ und ‘Citizen Kane‘ wird mit neuer Musik verwoben. Ein
langsamer Tanz des klassischen Kinos zu Musik von Zelany Roshoho.

Dubus, ru, 2005, 4:09

Gospels

Erik Bünger [se/de]
'Gospels' reiht Interviews berühmter Stars aneinander, in denen unklar bleibt, über Wen die Person vor der Kamera tatsächlich berichtet. Aber alle sprechen sie von Ihm. Manchmal scheinen sich die Berichte über Ihn zu bekräftigen und andererseits scheinen sie sich zu wiedersprechen. Dennoch ist etwas in ihrer Stimme, in der Bewegung Ihrer Köpfe, dass zu der Annahme führt sie hätten eine Art gemeinsames Erlebnis gehabt.

Gospels, de, 2006, 22:00



St. Petersburg Paradox

St. Petersburg Paradox ist ein in Russland erfundenes Casino-Spiel, bei welchem angehende Spieler überdurchschnittlich viel Geld zahlen, um eine Münze in einen bescheidenen Topf zu werfen. Landet die Münze auf dem Kopf, kassiert der Spieler den Gesamtinhalt des Topfs, landet sie auf der anderen Seite verdoppelt sich der Inhalt des Topfes und der Spieler setzt das Spiel fort. Der Film 'St. Petersburg Paradox' arbeitet mit Bildern des Wolfson Archivs beider Städte St. Petersburg in Florida und in Russland sowie mit Aufnahmen des Filmemachers Mark Boswell. Der Zuschauer wird ähnlich geführt wie bei einem Videospiel das auf Münzeinwurf beruht. Er reist durch die Vergangenheit und Gegenwart beider Städte, einem duellierenden und apokalyptischen Finale entgegen, welches durch die historischen und unglücklichen Entscheidungen des russischen und des U.S. amerikanischen Systems hervorgerufen wurden. St. Petersburg in Florida wurde 1882 nach St. Petersburg in Russland benannt, dem Geburtsort Peter Demens’. Eine regionale Legende besagt, dass der Bürgermeister und Gründungsvater John C. Williams und Peter Demens eine Münze warfen, um herauszufinden, wem die Ehre zuteil wird, die Stadt zu benennen.

St. Petersburg Paradox, us, 2006, 5:30