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Jan 29, 2007
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Zitty: Kultureller Leuchtturm? Ein Flaggschiff!
Vom 31. Januar an findet in Berlin die transmediale, das größte Festival für Kunst und digitale Medien in Deutschland, statt. Und es ist nicht nur groß, alt ist es auch. Trotzdem ist das von der Bundeskulturstiftung mittlerweile zum „kulturellen Leuchtturm” geadelte Festival immer noch voller innovativer Ideen. Für die sorgt nicht zuletzt seine konsequente Neuausrichtung: Erst seit letztem Jahr führt man beispielsweise im Untertitel nicht mehr „Internationale Medienkunst”, sondern widmet sich breiter „Kunst und digitaler Kultur”. Eine korrekte Entscheidung, denn genau das braucht es in der heutigen Zeit mehr denn je: Einen Ort, an dem man sich spielerisch, humorvoll und kreativ, aber auch kritisch mit Technologie auseinandersetzt.
Sich selbst neu erfinden, damit hat die transmediale in ihrer 19-jährigen Geschichte viele Erfahrungen gemacht – und fast immer waren es gute. Aus dem „Internationalen Forum des jungen Films” 1988 hervorgegangen, widmete sich das Festival dem damals neuen Medium Videofilm, dem es ergänzend zur Berlinale ein Forum bieten sollte. Videos findet man dort noch immer, aber sie spielen eher am Rande eine Rolle.
Der Fokus des Festivals auf Neue Medien ist dagegen geblieben: 1995 wurde erstmalig auf der transmediale „Multimedia-Kunst” vorgestellt und die ist immer noch ein Thema – allerdings sind es mittlerweile vor allem die neuen Dimensionen der Technologie, die für regen Diskussionsstoff sorgen werden. Die Neuausrichtung ist deshalb folgerichtig: Tatsächlich ist Medienkunst mittlerweile eine ganz normale Option künstlerischer Darstellung und weniger ein eigenes Genre – was auf der Konferenz von Leuten wie dem Popkultur-Theoretiker Diedrich Diederichsen und der Kuratorin Inke Arns diskutiert werden wird.
Dazu gehört auch, dass die Versprechungen, mit denen Medienkunst Mitte der Neunziger aufgeregt angetreten war, nicht eingelöst worden sind: Stichworte wie „Interaktivität” ziehen heute keinen Online-Gamer mehr hinter seiner Playstation hervor. Der Traum einer interaktiveren Kunsterfahrung stand sowieso nur solange im Raum, bis jemand ebenso klug wie naseweis bemerkte, dass ein rechts oder links Herumlaufen um eine Skulptur genauso interaktiv sei, wie das Wählen zwischen zwei Optionen in einem Multimedia-Kunstwerk.
Die Konferenz verabschiedet sich deshalb von der großen Zeit der Medienkunst mit so etwas wie einer Hommage: Noch einmal hat man all die alten Männer eingeladen, die uns Anfang der 90er Jahre gut unterhalten haben. Männer aus Zeiten, in denen Technologie einem noch einen gruseligen Schauer über den Rücken jagte, weil man dachte, zwischen Virtualität und Wirklichkeit jage man geradeaus in ihre Ununterscheidbarkeit.
Der kanadische Theoretiker Arthur Kroker hatte damals die Simulation zur neuen Realität erklärt und beschäftigt sich heute auf einem Panel mit Religion. Der Künstler Stelarc erkundet dagegen nach wie vor die Grenzen von Mensch und Maschine und stellt uns sein neues drittes Ohr vor. Das hat er sich mittlerweile aus künstlichen Zellen züchten und am Arm annähen lassen – und das ist Kunst, denn hören kann er damit natürlich nichts. Und der Medienwissenschaftler Friedrich Kittler warnte damals wie heute (und niemals ganz zu Unrecht) vor versteckten Computer-Algorithmen, die uns ausspionieren sollen.
So berechtigt auch all die spektakuläreren Annäherungen an Technik gewesen sind, gegenwärtig fuchtelt man nur noch selten warnend mit Virtualität um sich. Man sieht alles eher pragmatisch – und auch dieser Sichtweise wird auf der transmediale Platz eingeräumt. In der Veranstaltungsreihe „Salon” kommen vor allem junge Künstler zum Zuge. Was Medienaktivismus heute bedeuten könnte, erfährt man dort, wenn es um digitale Fotografie, Web 2.0 oder die Überwachung des Internet in China gehen wird.
Die transmediale wird also mit einem Brückenschlag zwischen alter Medienkunst und neuen Ansätzen aufwarten. Mit dem diesjährigen Motto „Unfinish” reflektiert der erfolgreiche Leiter Andreas Broeckmann eine typische Eigenschaft digitaler Medien, die niemals fertig programmiert sind, sondern immer in neuen Versionen in Umlauf kommen. Und nicht nur das. Er gibt auch der Veranstaltung, die er zum letzten Mal leitet, mit „Unfinish” einen letzten aufmunternden Stups in die Zukunft. Man darf gespannt sein.
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