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Jan 02, 2006
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transmediale.06: Conference
Newsletter vom 2.1.2006 transmediale.06: Konferenz ************************************************** 1. Konferenz Reality Addicts 2. Humour Politics 3. Media Addicts I 4. Media Addicts II 5. Transgressions 6. Mistakology 7. Keynotes ************************************************** 1. Konferenz Reality Addicts Die Konferenz der transmediale.06 widmet sich unter dem Titel 'Reality Addicts' künstlerischen und gesellschaftlichen Ideen, die nicht an den Grenzen der medialen Wirklichkeit Halt machen. 'Reality Addicts' stellt die Frage nach dem Verhältnis von Medien und Wirklichkeit nicht aus der Perspektive von Technologien, die eine bestimmte Wahrnehmung und Realitätskonstruktion auferlegen. Stattdessen geht die Konferenz in fünf Panels und vier Einzelvorträgen der Frage nach, wie diese Konstruktionen unterlaufen, übertrieben, oder ad absurdum geführt werden können. 'Realitätssucht' ist eine positive, affirmative Haltung zur Wirklichkeit, die an die Macht des Humors als Form der Kritik und als gesellschaftliche Praxis glaubt. Realitätssucht ist das Verlangen nach immer noch mehr Wirklichkeit, die im Widerspruch mit dem liegt, was wir schon kennen und wissen. Die Konferenz bietet einen Reality Check für die Gegenwart aus künstlerischer, kulturtheoretischer und sozial engagierter Perspektive. In Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung. ************************************************** 2. Humour Politics Freitag, 3.2.2006, 14.00 h Humor ist eine der wichtigsten Methoden, durch die Künstlerinnen und Künstler sich mit gesellschaftspolitischen Prozessen kritisch auseinandersetzen und die Möglichkeiten gesellschaftlicher Veränderung erkunden. Die Parodie, das Spiel und der Karneval sind Formen der Kritik, die von KünstlerInnen wie auch von AktivistInnen der politischen und sozialen Bewegungen verwendet werden, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen. Mit Humor ziehen sie gegen die Zwänge eines Realismus ins Feld, der nur auf Funktionen und nicht auf Folgen achtet. Sie stellen die Spektakelfixierung der Medien bloß und protestieren gegen neue rechtliche und politische Grenzen, sowie gegen Einschränkungen der freien Meinungsäusserung. Humor ist eine Überlebensstrategie der politisch engagierten Kunst. mit Anne-Marie Duguet, Gerald Raunig, Sebastian Lütgert moderiert von Brian Holmes ************************************************** 3. Media Addicts I Samstag, 4.2.2006, 12.00 h Das Panel 'Media Addicts' untersucht die Phänomene einer medial vermittelten Wirklichkeit. Es diskutiert die Technologien, die zunehmend unser Dasein durchwirken und fragt nach der Darstellung, der Wahrnehmung und der Veränderung von Realität durch Medien. Sind wir inzwischen in den futurologischen Szenarien und den 'Science Fictions' der 1980er Jahre angekommen? Und wie entwickeln sich die subjektiven, die sozialen und politischen Strukturen, die von den Techno-Utopisten so oft ignoriert oder in rosigsten Farben gezeichnet wurden? In diesem ersten Teil von 'Media Addicts' (der zweite Teil folgt am nächsten Tag) liegt der Schwerpunkt auf der gesellschaftspolitischen Bedeutung von Medientechnologien. mit Jordan Crandall, Simon Penny, Lu Jie moderiert von Matthew Fuller ************************************************** 4. Media Addicts II Sonntag, 5.2.2006, 13.00 h Viele Leute umgeben sich heute mit einer umfangreichen Palette von digitalen Gadgets. Mobiltelefon und MP3-Spieler, GPS- und Navigationssystem sowie eine Vielzahl medialer Kanäle für Informationen und Unterhaltungsangebote gehören zum Alltag moderner Zeitgenossen. Schwankend zwischen Konsumterror und umfassender Selbst-Überwachung bewegen sich 'Media Addicts' in einer technologisch geprägten Welt, in der die Grenze zwischen Individuum, medialen Prothesen und den hybriden Schichten des Cyberspace verschwimmt. Wie verändert sich unsere subjektive Wahrnehmung durch mobile Medien in diesen 'augmented realities', und wie wirkt sich dies auf den sozialen Zusammenhalt und die Bedeutung von Öffentlichkeit aus? Welches Verlangen und welche Notwendigkeiten treiben uns in diese erweiterten Medienrealitäten? mit Michael Bull, Janet Cardiff, Marie-Luise Angerer moderiert von Matthew Fuller ************************************************** 5. Transgressions Samstag, 4.2.2006, 16.30 h Unsere Gegenwartkultur ist gekennzeichnet von einem paradoxen Nebeneinander von Exzess und Kontrolle. Während ästhetische und moralische Grenzüberschreitungen so normal werden wie die tägliche Dosis an Schock und Horror, lernen wir zugleich, mit immer strengeren Abgrenzungs- und Kontrollmechanismen zu leben. Das Panel 'Transgressions' beschäftigt sich mit künstlerischen und theoretischen Aspekten dieses Gegensatzes zwischen extremer Freiheit und Kontrolle. Gibt es überhaupt noch ethische Grenzen und Mauern, an denen die Kunst sich reiben kann? Und welche Bedeutung haben heutzutage die ästhetischen Strategien der Überschreitung? mit Shu Lea Cheang, Jens Hauser, Katrien Jacobs moderiert von Sigrid Schade ************************************************** 6. Mistakology Sonntag, 5.2.2006, 16.30 h Jeder Technologie sind ihre Fehler und Unfälle immer schon inhärent - diese Einsicht ist zwar alt, wird aber in unserer Vorstellung von Technologie immer wieder ignoriert: Technologie muss kontrollierbar und sicher sein, um ihre Zwecke und Funktionen erfüllen zu können. Technische Dysfunktionalität wird von der modernen Gesellschaft im freudschen Sinne 'verdrängt'. Funktionale Diskrepanzen zwischen Menschen und Maschinen werden auch dann als 'menschliches Versagen' bezeichnet, wenn die Technik unmögliche Anforderungen stellt. Deshalb sind Maschinen und ihre Fehler eine unerschöpfliche Quelle humoristischer Einwände und Parodien. mit Claus Pias, Norman White moderiert von Inke Arns ************************************************** 7. Keynotes Freitag, 3.2.2006, 19.00 h Dominique Noguez 'L'humour n'existe pas' Der französische Philosoph, Autor und Essayist Dominique Noguez ist der bedeutendste Denker, der sich heute mit dem Humor als Konzept und als gesellschaftliche Praxis beschäftigt. In seinem Vortrag wird Noguez auf die verschiedenen Nuancen des Humors, dessen Rhetorik und öffentliche wie kulturhistorische Bedeutung eingehen, indem er über die Grenzen des Humors spricht. moderiert von Simon Critchley Samstag, 4.2.2006, 19.00 h Gerburg Treusch-Dieter 'Mundstück-Schlauch-Behälter. Effekte und Defekte einer Wunschmaschine' Gerburg Treusch-Dieter beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Gender-Codierung des Verhältnisses von Mensch und Maschine. Mit tiefgründigem Humor und unnachgiebigen Fragen wendet sie sich den Dingen des modernen Alltags wie denen des historischen Mythos zu und verknüpft, was zusammengehört. In ihrem Vortrag widmet sie sich dem Staubsauger, dessen psychologische Vielschichtigkeit exemplarisch ist für die Art und Weise, wie Technologie und Körper zusammenhängen. moderiert von Marie-Luise Angerer Sonntag, 5.2.2006, 17.30 h Simon Critchley 'To be or not to be is not the question - on Beckett, Humour and Film' Wie Beckett richtig schreibt, ist 'nichts lustiger als das Unglück'. Simon Critchleys Vortrag erkundet den schwarzen Humor Samuel Becketts durch eine Vorführung von dessen einzigem Kino-Experiment, 'Film' von 1965, mit Buster Keaton. Critchley wird sich auf die 'Agonie des wahrgenommen Werdens' konzentrieren, die den Kern von Becketts Werk ausmacht und die Hamlets berühmtes Dilemma vermeiden hilft. Wie Critchley zeigen wird, ist der Humor viel tragischer als die Tragödie. Sonntag, 5.2.2006, 19.00 h Jean-Jacques Perrey Jean Jacques Perrey wurde 1929 in Frankreich geboren und gilt als einer der Pioniere der elektronischen Musik. Perrey widmet sich dieser Musik, seit er Anfang der 50er Jahre sein Medizinstudium aus Liebe zum damals brandneuen und heute legendären Synthesizer Ondoline aufgab. Im New York der 60er Jahre begann er mit Gershon Kingsley, einem weiteren Synthesizer-Besessenen, aus field recordings a la musique concrete mittels Ondoline und Moog 'Music for Laughs and Smiles' zu produzieren - Musik nämlich, die glücklich machen soll. Die beiden gelten als die Begründer des Space Age Pop und landeten mit der LP 'The In Sound from Way Out' ihren ersten großen Erfolg. Perrey arbeitete nicht nur mit solchen Größen wie Raymond Scott, Robert Moog, Pierre Schaeffer, Edith Piaf, Walt Disney, Angelo Baladimento zusammen, seine verrückte Elektromusik diente immer wieder auch als Sample- und Remixmaterial für Musiker jüngerer Generationen, wie beim 1996er Beastie Boys Album 'The In Sounds from Way Out' oder dem Remix des Seventies-Funk Klassikers 'EVA' von Fatboy Slim. Jean Jacques Perrey ist zur transmediale.06 erstmals in Berlin. Am 6.2. stellt er, zusammen mit Dana Countryman, im Club Transmediale seine neue CD vor. Am Vorabend spricht er in der Akademie der Künste anhand von Musikbeispielen und Bildern über seine außergewöhnliche Karriere. moderiert von Timothy Druckrey **************************************************
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