Experimente des Hörens und Sehens [Sorry, only in German]
Die Hauptrolle eines solchen Periodikums sehen wir darin, dass es schnelle und breite Information für die in der Kunstwelt und in der Kinematographie auftauchenden innovativen Gedanken und Arbeitsweisen schafft. Damit entsteht ein allgemeiner Kontext für die in den Subkulturen isolierten Experimente und gleichzeitig eine Brücke zwischen den überspezialisierten "Medieninseln".
Die Beiträge dieser ersten Ausgabe sind zum großen Teil aufgrund freundschaftlicher Beziehungen zustande gekommen. Wir hoffen, dass das Periodikum bald einen solchen Bekanntheitsgrad erreichen wird, dass es zu einem allgemein publizierenden Forum der Experimentierenden in der ganzen Welt wird.
Die Prinzipien des Redigierens waren offen; von den Arbeiten wurde lediglich ein innovativer Charakter erwartet. Wir hielten es für wichtiger, ein authentisches Bild von den sich entfaltenden neuen Wellen des zeitgenössischen Experimentalismus zu geben. Es sollen begrifflich - methologische Felder aufgedeckt werden, auf denen sich die neue kinematographische Sprache entwickelt. Diesem zufolge haben wir die Arbeiten nach ihren spezifischen Tendenzen in folgende Kontexte eingereiht:
1. Spiegelung Das schon als traditional zu betrachtende Motiv des Spiegels und der Spiegelung ist auch in den allerneusten Bestrebungen vorhanden: das ist sicher nicht zufällig, da doch die Spiegelung gleichzeitig Mittel und Metapher des Bilderschaffens ist. So haben wir auch in diesem Kontext solche Arbeiten aufgenommen, welche nicht direkt aus dem Phänomenkreis der optischen Spiegelung schöpfen. Durch das Spiel mit der Abbild- und Objektrealität (R.Pape), die Verdoppelung der Medien (G.Hámos), Mehrfachbelichtung (A.Heibach) werden einander spiegelnde Bild und Ton Begriffsschichten aufgebaut
2. Massenmedienanalyse Dieser Richtung gibt in erster Linie der Umstand eine Aktualität, dass mit der Möglichkeit der Heim-Video Fixierung ganz gewiss eine neue Epoche der Kommunikation angefangen hat. Der Zuschauer kann aktiv an der Umgestaltung des durch die Massenmedien vermittelten Bildprozesses teilnehmen. Eine freie subjektive Sprache nimmt somit einen Dialog mit der konventionellen Basissprache auf, und es ergeben sich unendliche Möglichkeiten für die systematische analytische Arbeit in der Montage (G.Hámos/Ch.Dreher) oder für die Weiterverarbeitung mit dem Videosynthesizer (I.Oppenheim).
3. Artists' Statements Dieses Kapitel fasst die unterschiedlichsten Formen künstlerischen Ausdrucks zusammen. Insbesondere wird die transportierte Medienwirklichkeit des Fernsehens und des Mediums Video selbst in Frage gestellt (M.Hentz, G.Bódy, O.Hirschbiegel)
4. Neue Narrativität Wie zu erwarten, erscheinen nach den beschränkten Möglichkeiten des strukturellen und minimalistischen Experimentalfilms und -videos neue Formen der Narrativität, die jedoch nicht den üblichen Kino- und Fernsehschemata folgen und die bereits durch eine neues Bewusstsein, Zeichen zu setzen, geprägt sind. Dieses Kapitel bringt hierzu verschiedene Beispiele, u.a. den Trailer von 1 Minute und 16 Sekunden zu einem Spielfilm von120 Minuten (A.Poe/J.Heer) und einen Videobrief (W.Speck)
5. Raum- und Zeitartikulation durch menschliche Bewegung Ein ewiges Paradigma der visuellen Kultur berühren die Arbeiten des fünften Kapitels: die Platzierung des menschlichen Körpers in Raum und Zeit in der Dokumentarfilm-Analyse (H.Mühlenbrock/Ch.Domkowski), Performance (U.Rosenbach) (T.Morgan) und durch die Fixierung mit graphischen Rastern (G.Body)
6. Vokale Experimente Das Ur-Medium, die menschliche Stimme, erhält durch die visuelle Ebene des neuen Mediums Video eine Potenzierung. Dieses Kapitel führt die Kunst des Obertongesangs vor (J.Somogyi) sowie neue Sprachschöpfungen (M.Hentz). Die Wiederholung eines Poesievortrags aus dem dritten Kapitel weist daraufhin, dass Sprache auch Musik sein kann (B.Mondini)
Ein Forschungsprojekt für ein kinematographisches Periodikum, das Gábor Bódy in der K-Sektion des Béla Bálázs Film Studios in Budapest 1980 entwickelt hatte, bildete die Grundlage für die Auswahl der Arbeiten und die Erstellung der Kapitel in der ersten Ausgabe von INFERMENTAL.
überarbeitete Fassung der Presseerklärung vom 13.2.1982 für das 12.internationale forum des jungen films berlin
Astrid Heibach, 18. Dezember 2006
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